Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hat gezeigt, dass Veränderungen in den Erwerbs- und Familienbiographien der Frauen die geschlechtsspezifische Rentenlücke („Gender Pension Gap“) zwar verringert haben, aber diese Lücke zwischen den Renten von Männern und Frauen weiter zu groß ist – in Westdeutschland noch größer als im Osten.

So betrug die durchschnittliche monatliche Rente in der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) bei den aktuellen männlichen Rentnern (seit min. 1 Jahr in Rente) in Westdeutschland 994 Euro und in Ostdeutschland 1057 Euro und bei den weiblichen Rentnerinnen 576 Euro in West- und 818 Euro in Ostdeutschland. Daraus hat das DIW die geschlechtsspezifische Rentenlücke von 42 Prozent in West- und 15 Prozent in Ostdeutschland errechnet. Auch in Zukunft wird es nur langsam besser: diese Rentenlücke wird für die in den Jahren 1966-1970 geborenen Frauen nur um etwa 15 Prozent geringer ausfallen.

Die geschlechtsspezifische Rentenlücke ist und bleibt zu hoch. Zumal die Verringerung des geschlechtsspezifischen Rentenunterschieds in Zukunft nicht etwa daher kommt, dass die Renten der Frauen deutlich steigen. Nein, die Verringerung der geschlechtsspezifischen Rentenlücke wird sich vor allem aus den immer geringeren Renten der Männer ergeben, so die Forscher des DIW. Die unterschiedlichen Werte für Ost- und Westdeutschland lassen sich mit den historisch sehr unterschiedlichen Erwerbsbiographien von Frauen in beiden Landesteilen erklären: In Ostdeutschland war die Erwerbsbeteiligung von Frauen deutlich höher als in Westdeutschland.

Für den geschlechtsspezifischen Rentenunterschied gibt es eine Vielzahl von (individuellen) Gründen. Aber die Forscher konnten einige Gründe aus den SOEP-Daten herausfiltern, die sich als besonders relevant für den geschlechtsspezifischen Rentenunterschied herausgestellt haben: Im Schnitt haben Frauen, die zwischen 1936 und 1945 geboren wurden, niedrigere formale Bildungsabschlüsse als die Männer ihrer Generation erworben. Zudem ist ihre Erwerbsbeteiligung insgesamt geringer, wobei dies v.a. für Frauen in Westdeutschland gilt, die ihre Erwerbstätigkeit aus familiären Gründen unterbrachen oder häufiger als die Männer in Teilzeit arbeiteten. Außerdem werden – ein weiteres Problem – in den Branchen (v.a. Dienstleistungen, z.B. soziale) in denen mehr Frauen als Männer beschäftigt sind geringere Löhne gezahlt. All diese und weitere Faktoren führen dazu, dass Frauen geringere Löhne erhalten und somit auch eine geringere gesetzliche Rente.

Bei den Jüngeren (1966-1970 geboren) wird die geschlechtsspezifische Rentenlücke zwar geringer sein, weil die Frauen dieser Jahrgänge eine höhere Erwerbsbeteiligung in ihrem Leben aufweisen. Aber die langsame Schließung der Rentenlücke kann v.a. darauf zurückgeführt werden, dass Männer dieser Altersgruppe deutlich geringere Rentenansprüche haben werden als die Männer in den Generationen davor. Dafür lassen sich längere Ausbildungszeiten und Arbeitslosigkeit (und nicht etwa längere Familienzeiten) anführen.

Um die geschlechtsspezifische Rentenlücke mittels der Steigerung der Erwerbsbeteiligung von Frauen zu erhöhen, ist es – so das DIW – vor allem für Mütter wichtig, das Kinderbetreuungsangebot auszubauen. Und zwar nicht nur für Kleinkinder in den Kindertagesstätten (KiTas), sondern insbesondere auch in den Schulen. Zudem plädieren die Forscher dafür, dass sich die Politik weiter für die institutionelle, umfassende Gleichstellung von Frauen und Männern und dem Ziel der Lohngerechtigkeit einsetzt.

Ich kann mich diesen Forderungen nur anschließen: Wir brauchen mehr qualitativ gute und ausreichend viele Kinderbetreuungsplätze in den KiTas und in den (Ganztags-)Schulen. Wir müssen weiter für die Aufwertung von sogenannten „Frauenberufen“, d.h. Branchen in denen mehr Frauen als Männer arbeiten und – zusammen mit Manuela Schwesig (SPD), unsere Frauenministerin, konsequent – für das Ziel der Lohngerechtigkeit kämpfen. Zugleich müssen wir die Gesetzliche Rentenversicherung solidarisch finanzieren und wieder stärken. Davon profitieren sowohl Frauen als auch Männer.

Die DIW-Studie mit weiteren Informationen und Grafiken findet Ihr hier: http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.551601.de/17-5.pdf