Ein Kämpfer ist von uns gegangen

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Foto: Stefan Neubauer/ 6pfoto.de

Gekämpft hat er bis zuletzt. Es war einer der seltenen Kämpfe, in denen es um ihn, um Ottmar Schreiner persönlich ging. Ottmar wollte wieder gesund werden. Denn seine Vision von einer sozial gerechten Gesellschaft hat sich noch nicht erfüllt. Die Gerechtigkeitslücke ist noch immer nicht geschlossen. Ottmar kämpfte über Jahrzehnte hinweg unermüdlich für soziale Gerechtigkeit, weil es seine Überzeugung war, dass sie das stärkste Fundament einer Demokratie ist.

Soziale Gerechtigkeit heißt auch Chancengleichheit. Und was Chancengleichheit bedeutet, habe ich bei Ottmar erfahren. Aufbauen konnten wir auf einer gemeinsamen gewerkschaftlichen Basis und einer wirtschaftspolitischen Programmatik, der wir uns beide verschrieben haben. Er war mein politischer Ziehvater.

Und ich bin stolz auf ihn. Ja, das bin ich, weil er ein aufrechter Sozialdemokrat war, der seinen sozialdemokratischen Kompass nie aus den Augen verlor. Das Aufstiegsversprechen für Menschen aus sozial schwachen und bildungsfernen Schichten wollte er wieder erfüllt wissen. Kein Mensch sollte aufgrund seiner Herkunft, seiner Identität oder Mittellosigkeit benachteiligt werden. Und dieses Versprechen zu erfüllen lag für Ottmar im Aufgabenbereich der Sozialdemokratie. Genauso verhielt es sich mit den sozialdemokratischen Versprechen, soziale Sicherheit bei Krankheit, Invalidität, bei Arbeitslosigkeit und im Alter zu gewährleisten. Diese hart errungenen Arbeitnehmerrechte sah er in Gefahr. Zu Recht. Ihm war es wichtig, die Sozialdemokratie wieder auf den richtigen Kurs zu bringen. Dafür kämpfte Ottmar Schreiner, für nichts anderes. Persönliche Ämter und Positionen waren ihm schnurzegal. Ihm ging es um die Menschen. Reformen sind für die Menschen da. Das ist es, was Glaubwürdigkeit ausmacht.

Ottmar war durch und durch Sozialdemokrat. Auch in schwierigen Zeiten steckte er nicht auf. „Man verlässt nicht die Partei, man bleibt in der Partei.“ Er war der Überzeugung, dass eine linke Mehrheit in Deutschland ohne die SPD nicht möglich sei. Für ihn drehte sich alles darum, innerhalb der SPD für Positionen im Sinne unserer Werte und Grundsätze zu kämpfen. Im Sinne der Menschen. Forderungen, die auf Solidarität innerhalb einer Gesellschaft aufbauen. In der starke Schultern mehr tragen als schwache. Sein stärkster Rückhalt war immer die Parteibasis und die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen.

Ein aufrechter Kämpfer ist von uns gegangen. Namen sind gemeinhin Schall und Rauch. Aber Ottmar Schreiner war, ist und bleibt in vielen sozialdemokratischen Herzen verankert.  Wie viele andere werde auch ich ihn nie vergessen. Und er hinterlässt uns ein Erbe, mit dem wir sorgfältig umgehen müssen. Jetzt erst recht geht der Einsatz für soziale Gerechtigkeit und Arbeitnehmerrechte weiter. Oder um es mit Ottmars Worten zu sagen: „O Herr, lass mich da stehen, wo die Stürme wehen, und verschone mich nicht.“