Feb 232013
 

Cansel Kiziltepe ist die Bundestagskandidatin der SPD in Friedrichshain-Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost.

DSC_0173-300x200

Mit großer Mehrheit setzte sie sich bei einer Wahlkreisversammlung am Samstag Vormittag gegen ihre Gegenkandidatin Sylvia-Fee Wadehn durch. Im Interview spricht Cansel Kiziltepe über ihre Motivation, für den Bundestag zu kandidieren, und sagt, wie sie gewinnen möchte.

 

Warum haben Sie sich entschieden, für den Bundestag zu kandidieren?

Ich habe sehr von sozialdemokratischer Politik profitiert. Ohne die SPD hätte ich kein Abitur gemacht und nicht studiert. Davon möchte ich nun etwas zurückgeben und zugleich anderen zeigen, dass der Aufstieg möglich ist. Ich möchte eine bessere und gerechtere Politik für die Menschen. Aus meiner Sicht geht das als Bundestagsabgeordnete am besten.

Bei der Bundestagswahl 2009 hat die SPD im Bezirk gerade mal knapp 17 Prozent der Stimmen bekommen. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?
Die SPD hat es im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost sicher nicht leicht. Hans-Christian Ströbele ist eine Ikone und kein leichter Gegner. Ich nehme diese Herausforderung an und will das Bundestagsmandat direkt holen. Ich wurde im Wrangelkiez geboren und bin ein echtes Kiezkind. Ich spiegele die kulturelle Vielfalt Berlins wider. Wer das neue Berlin möchte, muss mich wählen. Meinen Nachnamen sehe ich dabei als gutes Omen. Im Türkischen bedeutet er „Roter Berg“. Ich möchte ihn zum Programm machen, damit Kreuzberg und natürlich auch Friedrichshain und Prenzlauer Berg Ost wieder rot werden.

Wie wollen Sie gegen den Über-Grünen Ströbele punkten?
Indem ich herausstelle, dass ich der genaue Gegensatz bin: Er ist ein Mann, ich eine Frau. Er ist im Rentenalter, ich stehe mitten im Berufsleben. Er ist Zugezogener, ich waschechte Berlinerin. Er ist Alt-68er, ich bin die neue Generation. Wir brauchen dringend einen Wechsel. Und den verkörpere ich. Hans-Christian Ströbele sieht die wirklichen Probleme nämlich nicht.

Welche sind das?
Zuallererst die Altersarmut. Das mag merkwürdig klingen, weil ich gerade den Generationenunterschied herausgestellt habe, ist aber ganz logisch. Die Altersarmut betrifft nämlich weniger die jetzigen Rentner als vielmehr die kommenden, die noch 20 oder 30 Jahre Berufsleben vor sich haben. Für die möchte ich etwas tun. Bei uns im Kiez sind die Kreativen aufgrund ihrer Solo-Selbstständigkeit besonders betroffen. Ich möchte die junge Generation für eine solidarische Alterssicherung sensibilisieren. Ein weiteres Thema ist die Bildung. Ich selbst habe mit der Kurt-Schumacher-Schule eine der ersten Ganztagsgrundschulen in Berlin besucht. Das hat mir viele Möglichkeiten eröffnet und den Lebensweg geebnet. Deshalb mache ich mich für einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsschulplatz stark.

Ein zunehmendes Problem sind die steigenden Mieten in Berlin. Was wollen Sie da tun?
Das ist ein Thema, das mich schon länger umtreibt. Ich engagiere mich bei der Mieterinitiative „Kotti e.V.“ und erlebe dort, wie Verwandte und Freunde aus ihrem bisherigen sozialen Umfeld verdrängt werden. Dagegen müssen wir als SPD etwas tun und wir haben in den letzten Monaten gute Vorschläge gemacht. Die müssen wir umsetzen – in Berlin, aber auch im Bund. Was die schwarz-gelbe Bundesregierung treibt, macht mich einfach nur wütend. Wir Sozialdemokraten müssen für angemessenen und bezahlbaren Wohnraum sorgen. Das ist mein Anspruch. Die SPD ist und bleibt die Mieterpartei!

Sie haben sechs Jahre für einen Bundestagsabgeordneten gearbeitet. Ist das ein Vorteil für Ihre eigene Kandidatur?
Auf jeden Fall. Durch meine Arbeit habe ich wichtige Einblicke bekommen, die mir im Wahlkampf, aber auch als Bundestagsabgeordnete helfen werden. Die parlamentarische Arbeit kenne ich in- und auswendig. Ich werde mich nicht lange eingewöhnen müssen.