Zu Besuch beim FRIEDA-Frauenzentrum in Friedrichshain  Frieda_web

Schätzungen zufolge werden in Berlin jedes Jahr 3000 Menschen Opfer von Stalking. 80 % der Betroffenen sind Frauen. Stalking, also willentliches und wiederholtes Nachstellen, Verfolgen und Belästigen, ist kein Kavaliersdelikt. Die Opfer leiden vielfach an schwerwiegenden gesundheitlichen Krankheiten, wie Beate Köhler berichtete. Seit Januar 2014 ist die Diplom Sozialpädagogin als Stalking Beraterin und Projektkoordinatorin beim FRIEDA-Frauenzentrum in Friedrichshain angestellt ist. Möglich geworden war dieses wichtige und bereits nach kurzer Zeit stark nachgefragte Beratungsangebot durch Mittel des Programms zur Förderung der Fraueninfrastruktur in Berlin.

In der Beratung gelte es, gemeinsam mit dem Opfer Strategien dafür zu entwickeln, wie man Schritt für Schritt dem Gewaltkontext entkommen könne. Zu den gesundheitlichen Folgen würden häufig wirtschaftliche Probleme hinzukommen, erläuterte Frau Köhler. Denn wenn durch Stalking zum Beispiel Fehlzeiten bei dem Arbeitgeber oder im Jobcenter entstünden, sei die Hemmschwelle, von den tatsächlichen Gründen zu berichten, verständlicherweise sehr hoch. Auch ein Wegzug aus der Wohnung sei, obwohl dringend erforderlich, aufgrund des angespannten Wohnungsmarktes für die betroffenen Frauen oftmals nicht zu finanzieren. Sie arbeite daher eng mit anderen Angeboten im FRIEDA-Frauenzentrum zusammen, etwa der Berufs- Rechts- oder Mieterberatung.

Immerhin ist Stalking seit einer Gesetzesnovelle aus dem Jahr 2007 unter der damaligen Bundesjustizministerin Brigitte Zypris als Straftat anerkannt worden. Polizeiliche Interventionen finden nunmehr häufiger statt. Aufklärung und Verständnis in der Öffentlichkeit stehen aber erst am Anfang.