John B. Emerson, seit August 2013 Botschafter der Vereinigten Staaten in Deutschland, hat sich gleich mehrere Stunden Zeit genommen. Zusammen mit seiner Ehefrau Kimberly Marteau war der Botschafter zu Gast in meinem Wahlkreis, um sich ein Bild von dem vielfältigen Leben und den Menschen, die Kreuzberg prägen, zu machen. Mit dabei waren auch Björn Eggert, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und Andy Hehmke, Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlungen.

Als Erstes besuchten wir das Social Impact Lab in der Muskauer Straße, eine gemeinnützige GmbH, die Unternehmensgründungen im sozialen Bereich unterstützt und ihre Räumlichkeiten in einer ehemaligen Filmproduktionsstätte hat. Dort gibt es Arbeitsräume, Beratung zu Finanzierungsmöglichkeiten und Workshops für angehende Gründerinnen und Gründer, wie Geschäftsführer Norbert Kunz berichtete. Wie erfolgreich dies ist, zeigen etwa Sara Wolf und Milena Glimbovski mit ihrem Start-Up „Original Unverpackt“. Nachdem die Finanzierung per „Crowd Funding“ die Erwartungen mehr als übertroffen habe, stehe der Eröffnung des ersten Supermarktes in Deutschland, der auf Einwegverpackungen komplett verzichtet, nichts mehr im Wege. Ebenso interessant wie unterstützenswert ist beispielsweise auch die Idee von „HIV Consulting“. Ziel dieses Start-Ups ist es, das Infektionsrisiko von HIV zu verringern, indem Arbeitnehmer von Firmen in Entwicklungsländern gezielt weitergebildet werden.

Social Lab GruppenbildWeiter ging es mit einem Spaziergang in der Oranienstraße. Beim türkischen Café Smyrna Kuruyemis staunte Botschafter Emerson nicht schlecht über die breite Auslage an Samen-, Trocken- und Hülsenfrüchten, die hier Tag für Tag mit Leidenschaft gegessen werden. Gleich gegenüber befindet sich der Couffier Yavuz & Selim. Hier saß bereits Emersons Vorgänger Philip Murphy auf dem Frisierstuhl und so ließ es sich auch Emerson nicht nehmen, einmal die Fertigkeiten von Friseurmeister Selim am eigenen Leibe zu erfahren. Frisch rasiert und sichtlich gut gelaunt ging es im Anschluss zur Stärkung in das Restaurant Hasir in der Adalbertstraße, das man mit Fug und Recht als Kreuzberger Institution bezeichnen kann. Seit über 30 Jahren serviert die Familie Aygün feinste türkische Küche, wie die vielen Bilder an den Wänden bezeugen.

Neu gegründete Start-Ups und erfolgreiche türkische Familienunternehmen – diese Orte habe ich  ganz bewusst ausgewählt, um Botschafter Emerson und seiner Ehefrau die für meinen Wahlkreis so charakteristische Vielfältigkeit zu zeigen. Kreuzberg steht heute wie kaum ein anderer Ort für innovative Wirtschaftsunternehmen und für Gemeinschaftssinn, für Menschen, die unsere Gesellschaft verändern wollen sowie für kulturellen Reichtum. Auch Botschafter Emerson war von dem Unternehmergeist der Menschen sehr angetan und betonte, die türkische Community sei eine große kulturelle Bereicherung für Deutschland. Er als Amerikaner fühle sich Türken und Deutschen gleichermaßen freundschaftlich verbunden. Wichtig war es Emerson in diesem Zusammenhang, seine Betroffenheit über das Grubenunglück im türkischen Soma auszudrücken.

Zum Nachtisch gab es dann noch eine weitere Spezialität: Türkische Baklava aus dem Geschäft von Gaziantep Kilicoglu Baklavaci. Solche köstlichen Baklava habe er in den USA nie bekommen, erzählte Emerson und bedankte sich ganz herzlich für die interessanten Einblicke. Zum Abschied verriet er noch, er und seine Frau wollten im Übrigen ihren diesjährigen Sommerurlaub in der Türkei verbringen. Wenn ihm danach mal wieder die Lust nach einem guten Kebab oder frischen Baklava packe, wüsste er jetzt genau, wo er diese bekomme.

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