Jugendliche mit einem türkischen Namen haben bei gleicher Qualifikation deutlich schlechtere Chancen zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, als Jugendliche mit einem deutschen Namen. Das belegt eine neue bundesweite Studie des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR), die kürzlich veröffentlicht wurde.

Fast 1.800 Unternehmen erhielten jeweils zwei vollkommen gleiche Bewerbungen von männlichen Schülern mit einem deutschen und einem türkischen Namen. Die Diskriminierung ist offenkundig: Während ein Kandidat mit deutschem Namen fünf Bewerbungen schreiben muss, sind es bei einem Kandidaten mit einem türkischen Namen durchschnittlich sieben Bewerbungsschreiben, um zu einem Gespräch eingeladen zu werden.

Die Ergebnisse zeigen, dass anonymisierte Bewerbungsverfahren, die etwa in den USA seit langem gang und gäbe sind, auch in Deutschland eingeführt werden sollten. Kleinen Unternehmen müsste beispielsweise eine Software bereitgestellt werden, mit der sich die Schwärzung von personenbezogenen Daten unkompliziert bewerkstelligen ließe, schreiben die Verfasser der Studie. Verzichtet werden sollte auch auf andere Informationen wie Geburtsort und -datum, die Nationalität, die Religionszugehörigkeit, der Familienstand, das Bewerbungsfoto oder auf Angaben zum Beruf der Eltern.

Machbar ist solch eine Umstellung allemal. Ein erstes Pilotprojekt in der Stadtverwaltung Celle, bei dem auf all diese Informationen verzichtet wurde, verlief zum Beispiel derart erfolgreich, dass dort anonymisierte Bewerbungsverfahren eingeführt worden sind. Auf diesen Erfolg gilt es aufzubauen. Denn was bei der Auswahl eines geeigneten Bewerbers zählen sollte, sind doch einzig die Qualifikation und Motivation und sonst nichts.

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