Sozialer Aufstieg bleibt für die sozial prekären Milieus weiterhin ein hehres Versprechen. Zu diesem Ergebnis kommt der jüngst veröffentlichte Verteilungsbericht 2016 des Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Die soziale Mobilität ist laut dem Bericht in den letzten 20 Jahren deutlich zurückgegangen: während zwischen den Jahren 1991 und 1995 noch rund 58% der Armen den Sprung in eine höhere Einkommensgruppe schafften, waren es zwischen 2009 und 2013 nur noch 50%.

Als arm gilt, wer über weniger als 60% des durchschnittlichen Jahreseinkommens verfügt. Die per Definition sehr Reichen hingegen verfügen über ein jährliches Einkommen, das dreimal so hoch ist, wie der Durchschnitt der jeweiligen Volkswirtschaft.

Auf der oberen Hälfte der Einkommensskala zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: „Reich bleibt reich“. In den Jahren 1991 bis 1995 hat es noch jeder Zweite der „sehr Reichen“ geschafft, sich in seiner Einkommenskategorie zu halten. Etwa 20 Jahre später, im Zeitraum von 2009 bis 2013, ist die soziale Mobilität auch unter den sehr reichen Einkommen gesunken: nunmehr 60% konnten sich in ihrer Einkommenskategorie halten.

Auch für Personen, die sich dem Einkommen zufolge unmittelbar über der Armutsgrenze befinden (untere Mittelschicht) sind die Aufstiegschancen deutlich gesunken, während das Risiko des sozialen Abstiegs ungeachtet der guten gesamtwirtschaftlichen Lage der Bundesrepublik weiter steigt. In welche Einkommensgruppe man sich zu Beginn des Arbeitslebens einordnen kann, hängt laut dem Bericht ganz maßgeblich von der sozialen Herkunft ab: die soziale Mobilität zwischen Kinder- und Elterngeneration sei fast nirgendwo so niedrig wie in der Bundesrepublik.

Mit den im Verteilungsbericht veröffentlichten Ergebnissen untermauert das WSI abermals, dass die vielzitierte Schere zwischen Arm und Reich in der Bundesrepublik immer weiter auseinanderdriftet. Die Ergebnisse des Berichts müssen wir uns zu Herzen nehmen und die richtigen Konsequenzen ziehen: Es darf nicht sein, dass die soziale Stellung bereits in der Kindheit vorgezeichnet ist und der Bildungsaufstieg durch Chancenungleichheit gehemmt wird. Eine gerechtere Verteilung und Besteuerung hoher Einkommen in der Bundesrepublik ist lange überfällig.

 

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