Am 17. Oktober war der Internationale Tag für die Beseitigung der Armut. Auch in Deutschland sind Armut und Perspektivlosigkeit kein Randphänomen. Laut Berechnungen des statistischen Bundesamtes ist die so genannte „Armutsgefährdung“ in den Bundesländern Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin besonders hoch.

Als armutsgefährdet gelten Personen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt. In Berlin betrifft dies zum Beispiel einen Single, der weniger als 869 Euro zur Verfügung hat oder ein Paar mit zwei Kindern und einem Einkommen von unter 1826 Euro. Vor allem Menschen mit einem niedrigen Berufsabschluss, Alleinerziehende und Langzeitarbeitslose sind gefährdet. Besorgniserregend ist auch, dass sich die Armut von Kindern in den vergangenen beiden Jahren erhöht hat. Im Jahr 2014 lebten 1,64 Millionen oder fast jeder sechste der unter 15-Jährigen in unserer Gesellschaft von Hartz IV. Andere Parameter wie die Armutsrisikoquoten von jungen Menschen weisen in die gleiche Richtung.

Einmal in eine prekäre Lebenslage hineingeboren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften Hilfebedürftigkeit. Dass sich Perspektivlosigkeit auf dem Arbeitsmarkt und Armutsgefährdung verfestigen, darf nicht einfach schulterzuckend hingenommen werden. Mit dem Mindestlohn haben wir einen ersten Schritt in die richtige Richtung getan. Mindestens 3,7 Millionen Menschen werden unmittelbar profitieren und ein höheres Einkommen erhalten. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles plant zudem verstärkte Bemühungen gegen Langzeitarbeitslosigkeit. Zu Beginn des kommenden Jahres soll das Bundesprogramm „Perspektiven in Betrieben“ dabei helfen, gezielt Menschen ohne Berufsabschluss in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das Programm beinhaltet Arbeitnehmercoachings und zeitlich befristete Lohnkostenzuschüsse.

Solche notwendigen Instrumente der Arbeitsmarktpolitik wollen aber auch gut finanziert sein. Höheren Steuern für Besserverdienende, etwa durch eine höhere Erbschaftssteuer, sind in diesem Zusammenhang alles andere als symbolisch. Schließlich kann es nicht sein, dass unser Wohlstand bei einem bestimmten Teil der Bevölkerung überhaupt nicht ankommt.

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