„Wer entscheidet, warum ein PKW nach einem Jahr nur noch die Hälfte des Neupreises Wert ist?“, „Warum soll ein US-Kreditinstitut mitverdienen, wenn ich in einem Berliner Laden ein deutsches Produkt kaufe?“ oder „Warum ist Geld schneller in den USA, wenn ich es nicht überweise, sondern in einem Koffer persönlich hinbringe?“ Fragen wie diese waren Gegenstand meines Besuchs bei „Bitcoins Berlin“ am 17. September 2014 in Friedrichshain. Der Geschäftsführer Jörg von Minckwitz und sein Partner Jan Goslicki versuchten, mit mathematischen Formeln, Kurven etc. mich in dieses komplexe Thema einzuweihen und in kurzer Zeit die Vorzüge der neuen „virtuellen Währung“ zu erklären.

Hinter dem Namen Bitcoins (BTC) verbirgt sich der seit 2009 verfügbare und wohl bekannteste Vertreter  virtueller Währungen. Eine zentrale Idee der GründerInnen von Bitcoins war es, ein Geld-und Zahlungssystem zu schaffen, das unabhängig von Staaten, Notenbanken und Kreditinstituten funktionieren soll. Die Transaktionen werden direkt zwischen den NutzerInnen abgewickelt (peer to peer) und Bitcoins, ein Kunstwort aus bit und coins, können im Prinzip durch jede Person am Computer geschaffen werden.

Auch wenn Berlin in den Medien längst zur „Hauptstadt der digitalen Währung“ erklärt wurde, machten die jungen Unternehmer eines deutlich: Deutschland ist gerade dabei, eine wichtige Entwicklung in der digitalen (Finanz-)Welt zu verschlafen. Restriktive Gesetze und die strenge Hand der Finanzaufsicht würden Startups, die Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptieren wollten, das Leben schwer machen.

BefürworterInnen schätzen neben dem vorbedingungslosen Zugang jedes Einzelnen auch den schnellen, nahezu kostenfreien, weltweiten Guthabentransfer und die Unabhängigkeit von Staaten, Notenbanken und Finanzinstituten. Des Weiteren wird die von vornherein mathematisch begrenzte Menge an Bitcoins betont, welche die digitale Währung vor Inflation schützen soll.

Kritiker hingegen verweisen auf die Hackerangriffe bei großen Tauschbörsen. Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) nennt als Risikofaktoren zusätzlich die mangelnde Einlagesicherung, die nicht vorgesehene Rückabwicklung von Transaktionen, das Geldwäscherisiko sowie die generelle Wertunbeständigkeit der virtuellen Währung.

Als Finanzpolitikerin werde ich die Entwicklung von Bitcoins weiterhin beobachten und das Thema virtuelle Währung in meine parlamentarische Arbeit als Mitglied des Finanzausschusses einbringen.

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