2000 Quadratmeter Gemüseanbau und Fischzucht auf dem Dach, ein Hochhaus mit Holzfassade, Treppen als bewachsene Gebirgswanderwege, variable Wohnungszuschnitte, flexible Wohngemeinschaften, 50 Prozent gewerbliche Nutzung, intelligentes Wärmemanagement, Abfall- und Abwasserkreisläufe, eine positive Energiebilanz nach zehn Jahren, eine durchschnittliche Verweildauer der MieterInnen von 900 Tagen und das Ganze genossenschaftlich verwaltet – was sich nach einer verrückten Utopie anhört, wird gerade mitten in Friedrichshain-Kreuzberg verwirklicht.

Auf Einladung von Mario Husten und Andreas Steinhauser habe ich heute das Holzmarkt-Gelände und das darauf entstehende Projekt Eckwerk an der Holzmarktstraße besucht. Das ehemalige BSR-Gelände, direkt an der Spree gelegen, beherbergte bis 2010 die legendäre Bar25. Inzwischen entwickeln hier die Architekturbüros Kleihues + Kleihues und GRAFT gemeinsam mit der Genossenschaft für urbane Kreativität (GuK) einen außergewöhnlichen Gebäudekomplex. Kein Ort des privaten Rückzugs soll hier entstehen, sondern eine größtmögliche Öffnung wird es den Planungen zufolge geben. Der im Bürgerentscheid ‚Spreeufer für alle‘ geforderte Uferwanderweg wird sich nicht nur draußen, sondern auch durch das Gebäude schlängeln. Drei Bereiche wird es geben: das Eckwerk, das Dorf und ein Hotel.

Die Bauherren stellen sich vor, dass dort Kreative, Gründer und junge Unternehmer zusammenkommen und Lösungen für Umwelt, Energie und Ernährung entwickeln. Gleichzeitig soll Wohnraum für 500 Studierende geschaffen werden. Unter dem Motto ‚Raum auf Zeit. Austausch für immer‘ soll ein hochkommunikativer Ort geschaffen werden: die Grenzen zwischen Leben und Arbeit, Wohnen und Gewerbe, Natur und Stadt, sollen verschwinden, ein gesellschaftlicher Mehrwert soll geschaffen werden. Inzwischen ist auch das landeseigene Wohnungsbauunternehmen Gesobau mit an Bord.

Ich freue mich darauf, dieses spannende Projekt weiter zu begleiten und die Umsetzung zu begutachten.

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