Am 20. Januar habe ich mir einen Eindruck über die Zustände in der Notunterkunft in den Hangars des Tempelhofer Flughafens verschafft. 2600 Menschen sind zurzeit hier untergebracht, viele Familien, allein 950 Kinder – von denen rund 400 noch keinen Schulplatz zugewiesen bekommen haben und die deshalb durch die Hangars laufen.

Cansel mit Julia, Volkmar, Daniela, Mareike und Maria Kipp (von hinten)Allein rund 120 Freiwillige unterstützen die 90 MitarbeiterInnen, geben Deutschunterricht, helfen in der Kleiderkammer, spielen mit den Kindern, springen ein, wenn irgendwo Unterstützung gebraucht wird – ohne sie  würde nur wenig funktionieren. Das Engagement der vielen ehrenamtlichen Helfer, die sich hier mit viel Herz und Zeit einbringen, beeindruckt mich sehr.

Maria Kipp, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Betreibers, führt mich durch die Hangars, vier von sieben sind inzwischen belegt. Für ein Mindestmaß an Intimität gibt es hunderte kleine abgetrennte Bereiche mit jeweils fünf Stockbetten. Ein Dach haben sie nicht, jedes Gespräch, jedes weinende Kind, jedes Geräusch bekommen zwangsläufig alle im Hangar untergebrachten Menschen mit. Richtig Ruhe finden kann hier keiner.

Kipp hat aber auch Positives zu berichten: im nächsten Monat sollen endlich die innenliegenden Sanitäranlagen in Betrieb gehen. Noch müssen die Geflüchteten in die Kälte raus, mit einem Bus werden sie übers Vorfeld gefahren, um duschen zu können, draußen vor den Hangars stehen auch die meisten der Toiletten, z. T. sind es Dixieklos.

Aber immerhin: die ärztliche Versorgung hat sich deutlich verbessert. Vier hauptamtliche Ärzte kümmern sich zwischen 9 und 17 Uhr auf einer Krankenstation, um alle Menschen, die Hilfe benötigen. Das provisorische Wartezimmer ist voll.

Wie sich die Menschen die Zeit vertreiben, will ich von Kipp wissen. „Für rund 1000 Menschen werden über ‚German now‘ Deutschkurse angeboten, zudem haben wir eine enge Kooperation mit dem Landessportbund, auch Tanzangebote gibt es. Unsere nächste Priorität ist die Einrichtung von speziellen Frauenräumen. Unsere Frauen brauchen dringend eine Rückzugsbereich, sie kommen sonst nicht zur Ruhe“, berichtet Kipp. In Zukunft sollen einzelne Bewohner über Integrationsassistenz in die Arbeit vor Ort und auch in anderen Unterkünften eingebunden werden.

Wie sieht es mit der Zusammenarbeit mit dem Lageso aus? Die junge Frau schweigt, zieht die Augenbrauen hoch, holt tief Luft bevor sie antwortet: „Die Kommunikation zwischen Lageso und uns als Betreiber funktioniert nicht gut, selten ist jemand zu erreichen, Gelder werden nicht ausgezahlt – es ist schwierig.“

Meinem Besuch im Tempelhofer Flughafen verdeutlicht mir, wie wichtig es ist, dass wir uns als SPD weiterhin mit viel Kraft und Engagement für die Integration der Geflüchteten stark machen müssen. So schnell wie möglich müssen alle Kinder in Kitas und die Willkommensklassen in unseren Schulen. 30 dieser Klassen hat unser Schulstadtrat Peter Beckers bereits eingerichtet, weitere werden folgen. Die Kinder werden dort schnell unsere Sprache lernen, werden Freunde finden, sich mit Gleichaltrigen verabreden – so kann Integration gelingen.

Ich freue mich, wenn wir alle unseren Teil dazu beitragen, denn es wird für uns alle ein Gewinn sein.

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