Bei meinem Besuch in der Galerie des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in der Oranienstraße war ich danach ganz begeistert, welch spannende Ausstellungen von internationalem Format dort gezeigt werden. Im Rahmen des Berliner Künstlerprogramms des DAAD werden jährlich 18 KünstlerInnen mit einem der weltweit renommiertesten internationalen Stipendien gefördert. Unter ihnen befinden sich Namen wie Igor Strawinsky, Marina Abramovic oder Damien Hirst. Aber auch weniger bekannte und nicht minder beeindruckende KünstlerInnen sind eingeladen, ein Jahr lang in Berlin zu schaffen und wirken.

Die Leiterin des Programmes für Bildende Kunst, Bettina Klein, zeigte mir die aktuelle Ausstellung „KOPF HOCH! MUT HOCH! UND HUMOR HOCH!“ des libanesischen Künstlers Rayyane Tabet. Tabet verarbeitete dort in beeindruckender Art und Weise ein Stück deutsch-syrischer Kriegs- und Kultur-und seiner eigenen Familiengeschichte.

Er zeichnet bildhaft die Geschichte der Ausgrabungen von Tell Halaf in Syrien nach, bei denen sein eigener Großvater als Sekretär und Übersetzer von des Diplomaten, Orientforschers und Archäologen Max von Oppenheim beteiligt war. Die Fundstücke der Grabung – Skulpturen und Reliefs aus neuassyrischen und aramäischen Palästen und Gräbern – wurden zwischen dem Syrischen Antikendienst und Oppenheim aufgeteilt. Oppenheim schuf für seinen Teil der Sammlung das „Tell Halaf Museum“ in einer Fabrikhalle in Charlottenburg. 1943 wurde das Gebäude in der Franklinstraße von einer Brandbombe zerstört. Die Stücke zerbarsten in 27.000 Teile, die nach Jahrzehnten im Keller des Pergamonmuseums und zehnjähriger Restauration erst 2011 wieder in einer Sonderausstellung im Pergamon Museum zu sehen waren. Ein anderer Teil des Oppenheimschen Fundes befindet sich im Nationalmuseum Aleppo, das 2016 schwer beschädigt wurde.

Tabet thematisiert mit seiner Ausstellung den Umstand, dass die Bildwerke aus Tell Halaf 3000 Jahre überdauerten, um dann in den zwei bisher größten Kriegen des 20. und 21. Jahrhunderts zerstört zu werden. Aus Bruchstücken der Sammlung Oppenheims, die bei der Restauration nicht mehr zugeordnet werden konnten, fertigte er rund 1000 Kohlefrottagen. Diese wurden in der DAAD Galerie in einer Installation auf Paletten angebracht. Eine Bezugnehme auf die Paletten, auf denen die Bruchstücke rund 70 Jahre lang gelagert wurden, bis sie zum ersten Mal wieder öffentlich zu sehen waren. Der Titel der Ausstellung ist ein Zitat Oppenheims, das angesichts der Zerstörung seines Lebenswerkes seinen grenzenlosen Zukunftsoptimismus offenbart.

Mich hat der Besuch tief beeindruckt.

 

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