Foto: Enrique Sans

Foto: Enrique Sans (CC BY 2.0)

Gastbeitrag von Miriam Noa, bildungspolitische Sprecherin der SPD in der BVV Friedrichshain-Kreuzberg und Stellvertretende Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Bildungsfragen (AfB)

Wie wird man eigentlich Musikpädagoge? Manchmal beschleicht einen das Gefühl, keiner der politisch Verantwortlichen wisse die Antwort. Man bekommt den Eindruck, es handle sich um irgendwelche Musiker mit irgendeiner Ausbildung (irgendeine werden sie schon haben …), die doch sehr viel besser dran sind, in einer öffentlichen Musikschule ihre Brötchen verdienen zu dürfen, als sich auf dem „privaten“ Markt durchschlagen zu müssen.

Fakt ist jedoch: In der Regel hat jede der Lehrkräfte ein vier- bis fünfjähriges Studium zum Diplom-Musikpädagogen an einer Hochschule absolviert, oft genug auch noch eine oder mehrere Zusatzqualifikationen. Der Zugang zu den wenigen Plätzen an einer der international sehr renommierten und deshalb von jungen Musikern aus aller Welt angesteuerten deutschen Musikhochschulen ist hart umkämpft; und ist man erst mal drin – meist das Ergebnis seit der Kindheit praktizierten täglichen Übens – so ist der Studienalltag alles andere als idyllisch.

Sicher, Musik studiert man, weil man Begabung und Leidenschaft mitbringt. Und man weiß, dass man mit einer solchen Ausbildung – so umfangreich sie auch gewesen sein mag – im Normalfall nie reich werden wird, dass man vielmehr mit einer gehörigen Portion Idealismus ausgestattet sein muss, um den oft schwierigen beruflichen Möglichkeiten ins Auge zu sehen.

Doch das, was an Berliner Musikschulen seit Jahren gang und gäbe ist, übersteigt die schlimmsten Visionen. Der allergrößte Teil der Lehrkräfte ist nicht fest angestellt, sondern arbeitet auf Honorarbasis. Das heißt: Keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und während der Ferien (!), keine Regelungen für Schwangerschaft und Elternzeit, kurz: nichts, was ein regulärer Arbeitnehmer an Rechten kennt. Dass nun aufgrund der neuen Honorarordnung massenweise Kündigungen erfolgten, treibt die Situation auf eine weitere traurige Spitze.

Es ist ein Armutszeugnis für unsere Stadt – die sich doch ihrer kulturellen Angebote stets so rühmt! –, so mit denen zu verfahren, die trotz aller Widrigkeiten tägliche Basisarbeit dafür leisten. Und es ist ein Armutszeugnis für eine von unserer SPD geführten Landesregierung, sich so wenig um Arbeitnehmerrechte und so wenig um die Förderung Tausender Musikschüler zu sorgen, die sich keinen teuren Privatunterricht leisten können. „Wer Musikschulen schließt, gefährdet die innere Sicherheit“, hat ein sozialdemokratischer Bundesinnenminister einmal treffend formuliert. Die Arbeit derer, die tagtäglich Tausenden von Musikschülern den Zugang zu kultureller Bildung – und damit nicht selten zu sich selbst – eröffnen, muss endlich anerkannt werden!

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