Liebe Leserin,
lieber Leser,

meine Tour durch den Wahlkreis führte mich diesmal an ganz besondere, ganz unterschiedliche Orte, aber allesamt sind sie wichtig für das Miteinander der Menschen in ihren Kiezen. Wir alle erinnern uns an die heftigen Diskussionen anlässlich der Erhöhung des Beitrages für das Schulessen. Wie viele andere stelle auch ich mir die Frage, wie ein Unternehmen qualitativ hochwertiges Essen zu einem geringen Preis herstellen soll. Und siehe da, es funktioniert – allerdings nur mit einem zweiten Standbein, wie sich bei meinen Besuchen zweier Unternehmen herausstellte. Meine erste Station war „Die Schildkröte“, eine gemeinnützige Gesellschaft, die sich an Jugendliche mit besonderem Förderbedarf wendet. Es handelt sich hierbei um keinen Ausbildungsbetrieb, sondern hier sollen sich die Jugendlichen an einen geregelten Tagesablauf gewöhnen. Ein Jugendlicher berichtete mir, dass er sich dank der Schildkröte entschlossen habe, Koch zu werden, und wie die Schildkröte sich für einen Ausbildungsplatz eingesetzt habe. Beeindruckt hat mich auch mein Besuch beim Verein „Graefewirtschaft“. Migrantinnen haben ihn gegründet und inzwischen 40 Arbeitsplätze geschaffen, die vor allem von Frauen besetzt sind, die aus ihren Heimatländern fliehen mussten. Das Credo des Vereins ist die Zusammenführung und der Austausch verschiedener Kulturen; darüber hinaus zeichnet er sich durch sein besonderes Engagement im Kiez aus. Sowohl die Schildkröte als auch der Verein Graefewirtschaft beliefern Schulen mit Schulessen, finanzieren sich jedoch zusätzlich über Catering und wie im Falle der Graefewirtschaft über ein kleines Restaurant, „die Weltküche“. Wichtig für dergleichen Institutionen ist die Förderung durch die öffentliche Hand. Fließen Gelder spärlicher oder bleiben sie in Gänze aus, kann eine derartige Unternehmung schnell in Schieflage geraten und ihre gesellschaftlich wichtige Aufgabe nur noch gebremst bis gar nicht mehr erfüllen. Diese Tatsache wurde bei meinen Besuchen an beiden Standorten sehr deutlich. Einen kulturellen Raum der besonderen Art konnte ich mit dem Verein KulturRaum Zwingli-Kirche kennenlernen. Eine über viele Jahre ungenutzte Kirche mitten im Kiez des Rudolfplatzes wurde von engagierten Bürgerinnen und Bürgern mit neuem Leben erfüllt und bietet jetzt einen Ort für Begegnungen und Kultur. Ob es Filmvorführungen sind – darunter viele Filme der DEFA – oder Lesungen und politische Veranstaltungen, die alte Kirche schafft die Möglichkeit des harmonischen Miteinanders so unterschiedlicher Bereiche wie Kultur, Religion und Politik. Zusammen mit den Jusos und vielen Genossinnen und Genossen konnte ich dann am Sonntag im Brachvogel einen souveränen Peer Steinbrück erleben, der das TV-Duell mit der Kanzlerin für sich entschied. Während Angela Merkel Unmengen an Watte verbrauchte, punktete Peer Steinbrück mit seiner klaren Kante. So sahen wir es im Brachvogel, so sahen es auch die Zuschauer der ARD. 49 Prozent hielten ihn für überzeugender. Mich können Sie übrigens auch sehen: Mein dritter Kurzfilm wurde veröffentlicht. Diesmal behandelt er ein Thema, das uns alle angeht: Altersarmut. Aber schauen und lesen Sie selbst …

Ich wünsche Ihnen gute Unterhaltung

Ihre Cansel Kiziltepe

 

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