Zuerst erschienen auf vorwaerts.de am 12.05.2020.

Das Coronavirus ist eine Grenzerfahrung für unsere Gesellschaft. Nicht nur unser Gesundheitssystem, sondern auch unser wirtschaftliches Zusammenleben erlebt eine Härteprüfung. Auch wenn wir erste Maßnahmen bereits lockern konnten, steht der Erfolg weiterhin auf wackligen Beinen. Die Pandemie ist noch nicht vorbei und wir müssen weiterhin wachsam bleiben. Doch das darf uns nicht davon abhalten, über das Leben nach dem Virus und der Rückkehr in die Normalität, nach der sich viele stärker sehnen als sie es je für möglich hielten, nachzudenken. Und hier sollten wir insbesondere an diejenigen denken, die eine besondere Last im Zuge der Krise tragen mussten.

Das sind zuallererst die Beschäftigen in den systemrelevanten Berufen. Die vergangenen Wochen haben uns gezeigt, wie unersetzlich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Krankenpflege, in der Altenpflege, im Supermarkt, in den Speditionen und anderen essenziellen Branchen sind. In der Not halten sie unsere Gesellschaft zusammen und am Leben. Ein Beitrag, den man nicht genug hervorheben kann und den wir auch nicht vergessen dürfen.

Doch während die Arbeitskraft der einen in der Krise besonders gefragt ist, müssen andere erhebliche Einschränkungen akzeptieren. Der Kampf gegen Corona hat gegen einen massiven Eingriff in die individuellen Freiheiten geführt mit dem Ziel, viele Menschenleben zu retten. Das ist notwendig, aber es bedroht auch die wirtschaftliche Existenz von immer mehr Menschen. Einzelne Branchen sind besonders stark betroffen. Das sind Gastronom*innen, die ihre Restaurants schließen mussten, Hotelbetreiber*innen, die keine touristischen Gäste mehr beherbergen dürfen und Tourismusanbieter*innen, die keinen Reisenden mehr Angebote machen können. Unverschuldet stehen sie wegen Corona vor dem Nichts.

Die Politik weiß das und versucht mit allen Mitteln, Abhilfe zu schaffen. In diesen Stunden zahlt es sich aus, einen gut finanzierten Staat zu haben. Der Bund und die Länder haben zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht, um Unterstützung zu leisten. Die Palette reicht dabei von direkten Zuschüssen und Kurzarbeitergeld bis zu Sofortkrediten der KfW. Aber gerade in den besonders betroffenen Branchen werden die Auswirkungen nicht nur kurzfristig sein. Bis die Besucher*innenzahlen und das Reiseniveau wieder das Vorkrisenniveau erreicht haben, wird es eine Weile dauern.

Deswegen müssen wir gerade an diese Branchen denken, wenn wir über die wirtschaftliche Wiederbelebung reden. Und es gibt eine Möglichkeit, die sowohl diesen besonderes Betroffenen hilft, als auch unsere Wertschätzung für die Menschen in den systemrelevanten Berufen zum Ausdruck bringt: Wir brauchen eine Erholungsprämie für Corona-Held*innen. Die Prämie muss für Branchen gelten, die jetzt besonders stark unter der Krise leiden und kann wie ein Gutschein funktionieren. Es ist ein Versprechen auf eine Ruhepause nach der Krise, auf die man sich jetzt schon freuen kann. Gleichzeitig ist es aber auch ein Hoffnungsschimmer für die Gastronom*innen, Hotelbetreiber*innen, Veranstalter*innen und Reiseanbieter*innen. Sie können mit einer großen Kundschaft nach der Krise rechnen!

Das kann aber nur eine Maßnahme unter vielen sein. Sie ist aber besonders wichtig, weil sie dort ansetzt, wo es aus wirtschaftlichen Gründen und der Gerechtigkeit besonders geboten ist. Es muss aber auch klar sein: Es ist kein Ersatz für bessere Arbeitsbedingungen und bessere Bezahlung in den systemrelevanten Branchen. Höhere Löhne und weniger Druck sind kein Dankeschön für den Einsatz im Kampf gegen Corona, sondern eine Notwendigkeit, die es nicht erst seit Corona gibt.

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