Foto: Till Westermayer

Foto: Till Westermayer (CC BY-SA 2.0)

9,45 Euro brutto Stundenlohn! So wenig verdient in Deutschland mittlerweile rund ein Viertel (24,1%) aller Beschäftigten. Eine vergleichende Untersuchung zum Thema Niedriglöhne des zur Bundesagentur für Arbeit gehörenden Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) unter 17 EU-Ländern bescheinigt Deutschland damit einen traurigen 2. Platz. Nur in Litauen ist der Anteil der Geringverdiener noch höher. Als Niedriglohn gilt dabei ein Einkommen, das unter 2/3 des mittleren Lohnes des jeweiligen Landes liegt. Er drückt sich also weniger in einer konkreten Summe aus als vielmehr in der Relation der verschiedenen Einkommensgruppen eines nationalen Arbeitsmarktes zueinander.

Obwohl in der öffentlichen Debatte immer wieder auf den angeblichen Zusammenhang zwischen den deutschen Arbeitsmarktreformen – deren Ziel ja unter anderem auch die Eröffnung eines neuen Niedriglohnsektors war – und dem neuen deutschen Jobwunder hingewiesen wird, lässt sich dies in den tatsächlichen Ergebnissen des Ländervergleiches nicht bestätigen. Die Untersuchung findet keinen Zusammenhang zwischen Arbeitslosen- bzw. Erwerbstätigenquote einerseits und dem Ausmaß der Lohnungleichheit andererseits. Eine große Zahl von Geringverdienern ist also offensichtlich keine zwingende Notwendigkeit für einen stabilen Arbeitsmarkt. In Deutschland hat sich dagegen ein Trend zu mehr Lohnungleichheit etabliert, der sich von der Entwicklung des Arbeitsmarktes entkoppelt hat.

Und so ist es vielleicht kein Zufall, dass Deutschlands „Führungsrolle“ im Feld der Geringverdiener einhergeht mit der Tatsache, dass wir eines der letzten Länder innerhalb der EU sind, das noch immer auf die Einführung eines Mindestlohns wartet.

Dass das Thema Niedriglohn nicht nur ein sozialpolitisches ist, zeigt sich übrigens darin, dass es vor allem Frauen sind, die die große Gruppe der Geringverdiener stellen, hier ganz besonders im Bereich der Teilzeitbeschäftigten. Und so muss die Frage formuliert werden, wie gerecht und zukunftsweisend ein Arbeitsmarkt ist, wenn insbesondere in Berufen, die zu einem großen Teil von Frauen ausgeübt werden, so erschreckend niedrige Löhne gezahlt und Frauen in Beschäftigungsformen gedrängt werden, deren Verdienstmöglichkeiten die Sicherung des Lebensunterhalts einer Familie nicht gewährleisten.

Den Studienbericht in einer Kurzfassung finden Sie hier:

http://doku.iab.de/kurzber/2013/kb1513.pdf

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