Der Donnerstagabend stand im Zeichen des Sports: Zunächst trafen unterschiedliche Meinungen bei dem heiklen Thema der Finanzierung von Sport und möglichen Umverteilungen von Geldern im Sport in einer munteren Diskussion aufeinander. Im Anschluss wurde die Ausstellung „REAL GROUND“ der Kreuzberger NGO DISCOVER FOOTBALL eröffnet, die die Untergründe zeigt, auf denen Frauen weltweit Fußball spielen.

Sport ist nicht bloß körperliche Betätigung, sondern hat auch immense Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Deshalb fließen auch viele öffentliche Gelder in den Sport. Dem Bund kommt dabei im föderalen System der Bundesrepublik vor allem die Förderung des Leistungssports zu, während sich die Länder und Kommunen um den Breitensport kümmern. Doch ist die Verteilung der Gelder im Sport gerecht? Werden die Gelder transparent vergeben? Und dienen sie wirklich der gesamten Gesellschaft oder durch die starke Förderung des Leistungssports nur einigen wenigen? Und welche Bedeutung hat die Verteilung der Ressourcen für das Verhältnis der Geschlechter? Diese und andere Fragen diskutierten am Donnerstagabend auf meine Einladung Dr. Heiner Brandi, Direktor des Landessportbunds Berlin, Frank Schlizio, Abteilungsleiter Leistungssport des Landessportbunds, Christian Haberecht von Hansa 07, Sara Schlote von DISCOVER FOOTBALL und Frank Vollmert, stellvertretender Vorsitzender des Sportausschusses in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV).

Während die Vertreter des Landessportbundes auf die Bedeutung der Lotterien für die Sportförderung und die Probleme, die durch immer mehr geduldete private Lotto- und Sportwetten-Anbieter entstünden, hinwiesen, forderte Christian Haberecht generell mehr Unterstützung des Bundes für den Breitensport: „Es ist einfach zu wenig Geld da, gerade für Infrastruktur im Breitensport. Wir bräuchten mehr Unterstützung durch den Bund. Und wenn dafür die Verfassung geändert werden muss, dann ist das eben nötig.“

Sara Schlote von DISCOVER FOOTBALL betonte, dass es nicht reiche, nur mehr Geld für den Sport zu fordern, sondern dass auch über eine andere Verteilung der knappen Ressourcen, beispielweise der Fußballplätze, diskutiert werden müsse. Sie wolle keinen Kampf „Männer gegen Frauen“, aber dass Frauenteams zumeist die schlechten Platzzeiten bekämen, sei eine politische Entscheidung: „Der Bezirk könnte sich auch dafür entscheiden, Platzzeiten immer wieder neu zu verteilen und nicht nur dann eine Zeit zu vergeben, wenn ein Team keinen Bedarf mehr anmeldet. So ist es sehr schwer für neu gegründete Frauenteams an Plätze zu kommen.“ Frank Vollmert nimmt die Anregungen des Abends gerne mit in die BVV, auch wenn er betonte, dass das Sportamt sein Bestes tue, um allen Ansprüchen gerecht zu werden und dies gerade im dicht besiedelten Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sehr schwierig sei.

Ich nehme aus der Diskussion mit und das stellte ich auch in meinem Fazit klar, dass gerade auch um die Kommunen und die öffentliche Daseinsvorsorge zu stärken, mehr Umverteilung nötig ist. Wir müssen uns alle dafür einsetzen, dass der Kuchen größer wird und wichtige Investitionen auch in die Infrastruktur für den Sport getätigt werden können. Deshalb arbeite ich unter anderem so aktiv für die Reform der Erbschaftssteuer.

Die Ausstellung REAL GROUND, die die Entscheidung als Anlass hatte, dass die Frauen-Fußball WM in Kanada auf Kunstrasen statt echtem Rasen ausgetragen wurde, greift einige Punkte der Diskussion auf und stellt auch über den Sport hinaus kritische Fragen zu Geschlechter(un)gerechtigkeit. Sie wird drei Monate in meinem Wahlkreisbüro zu sehen sein und freut sich über BesucherInnen!

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