Die Vorstellung der Kriminalstatistik zur Partnerschaftsgewalt hat alarmierende Zahlen zu Tage gebracht. Demnach wurden 2017 insgesamt 138.893 Personen erfasst, die Opfer von Partnerschaftsgewalt wurden. Knapp 113.965 Opfer waren weiblich. Betroffen sind Frauen aller sozialen Schichten.

Alle zwei bis drei Tage stirbt eine Frau in Deutschland, weil ihr aktueller oder ehemaliger Lebensgefährte sie erstochen, erschossen, totgeprügelt hat; 141 Opfer hat die Polizei 2017 gezählt. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung in Partnerschaften sind die Opfer zu fast 100 Prozent weiblich, bei Stalking und Bedrohung in der Partnerschaft sind es fast 90 Prozent. Bei vorsätzlicher, einfacher Körperverletzung sowie bei Mord und Totschlag in Paarbeziehungen sind 81 Prozent der Opfer Frauen.

Das bedeutet: Nirgendwo sind Frauen in Deutschland stärker in Gefahr als im eigenen Zuhause. Diese Gewalt hinter verschlossenen Türen ist hierzulande noch immer ein großes Tabu. Das muss sich ändern und ich hoffe dass das breite öffentliche Entsetzen über die veröffentlichten Zahlen ein Anfang ist. Das könnte endlich die Initialzündung sein, Partnerschaftsgewalt als wichtiges gesellschaftliches Thema zu begreifen.

Um häusliche Gewalt wirksam zu bekämpfen, ist die Zusammenarbeit aller Verantwortlichen in staatlichen und nicht- staatlichen Institutionen nötig. Zu wenige von Gewalt betroffene Frauen suchen Hilfe und wenn sie es doch tun, bekommen sie oft zu wenig davon. Dafür sorgt auch das Machtgefälle zwischen Männern und Frauen. Wir müssen die männlich geprägten Strukturen aufbrechen.

Zudem müssen die Hilfsangebote in Frauenhäusern ausgebaut werden. Das BMFSFJ (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) wird im kommenden Jahr ein Aktionsprogramm gegen Gewalt an Frauen starten, das Länder wie Kommunen beim Ausbau von Hilfsstrukturen unterstützt. Im ersten Jahr sollen 6,1 Millionen Euro fließen, im zweiten Jahr 35 Millionen Euro. Wir müssen dahin kommen einen Rechtsanspruch auf Schutz zu schaffen.

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