Bereits vor der Invasion Russlands in die Ukraine war zu erkennen, dass der Gaspreis im Vergleich zu den Vorjahren immer dynamischer anstieg. Isabella Weber und Sebastian Dullien forderten deswegen bereits im Februar 2022 die Einführung eines Gaspreisdeckels für den Grundverbrauch[1]. Im Zuge des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine ist der Gaspreis auf den Terminmärkten im Verlauf des Jahres dann weiter stark gestiegen. Hat Anfang 2021 eine Megawattstunde Gas noch 20 Euro gekostet, werden jetzt für Anfang 2023 Preise von bis zu 200 Euro gehandelt. Jetzt tagt am Samstag den 24.09.2022 erstmals die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission zur Prüfung eines Gaspreisdeckels.

Knapp 1,5 Prozentpunkte des Anstiegs der deutschen Verbraucherpreise um 7,6% im Vergleich zum Vorjahr lassen sich direkt auf die gestiegenen Endpreise beim Gas zurückführen. Dabei sind aufgrund von langfristigen Verträgen die Bezugspreise noch gar nicht voll an die Endverbraucher weitergegeben und werden erst in der intensiven Heizphase ab Herbst 2022 bei den Privathaushalten voll einschlagen.

Für das Jahr 2023 halten Dullien und Weber einen weiteren Preisanstieg beim Gas um 140% für nicht ausgeschlossen[2]. Ein solcher Anstieg alleine würde die Inflation um fünf Prozentpunkte erhöhen. Bei derzeitigen Preisen würde das einer Mehrbelastung der Haushalte von bis zu 80 Milliarden Euro entsprechen. Das ist Geld, was an anderer Stelle eingespart werden muss. Die Wahrscheinlichkeit einer konsumgetriebenen Rezession erhöht sich damit enorm. Insgesamt könnte sich der Betrag, den die deutsche Volkswirtschaft für den Import von Erdgas aufbringen muss, im Vergleich zu 2019, um 200 Milliarden Euro auf 280 Milliarden Euro erhöhen[3].

Mithilfe eines Preisdeckels für den Grundverbrauch von Gas könnte die Bundesregierung also sowohl den Gesamtanstieg der Verbraucherpreise dämpfen als auch für dringend notwendige Entlastungen gerade von den Haushalten sorgen, die aufgrund ihrer finanziellen Lage durch die gestiegenen Verbraucherpreise in soziale Notlagen geraten. Im Gegensatz zum Modell der jetzt eingebrachten Strompreisbremse hätte ein einheitliches Basiskontingent zu einem vergünstigten Preis den Vorteil, dass er verteilungsgerecht die Haushalte mit einem geringeren Verbrauch relativ mehr entlasten würde. Wie Kröger et al (2022[4]) ermittelten, geben die Haushalte im obersten Einkommensdezil im Durchschnitt ungefähr doppelt so viel für Gas aus, wie die Haushalte im untersten Einkommensdezil.

Anreize zur Einsparung von Gas wären durch den, nach wie vor weiter existierenden, Marktpreis über dem Grenzbereich des Grundverbrauchs gegeben. Gassparen ist mittlerweile in aller Munde, jedoch muss allen Menschen ein erschwingliches Mindestmaß an Warmwasser und Heizen ermöglicht werden.

Die Einführung eines Gaspreisdeckels erfordert schätzungsweise einen Finanzierungsbedarf in zweistelliger Milliardenhöhe. Während ich mich langfristig explizit für eine grundlegende Reform oder die Abschaffung der grundgesetzlich verankerten Schuldenbremse aussprechen, sollte diese auch weiterhin, um den Gaspreisdeckel zu finanzieren, mindestens im Jahr 2023 ausgesetzt werden.

[1] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/inflation-energiepreise-gas-subventionen-1.5526823?reduced=true

[2] https://www.wirtschaftsdienst.eu/inhalt/jahr/2022/heft/8/beitrag/hoechste-zeit-fuer-einen-gaspreisdeckel-ein-wichtiges-instrument-im-kampf-gegen-energiepreisbelastung.html

[3] https://www.merkur.de/wirtschaft/energie-kosten-deutschland-top-oekonom-dullien-200-milliarden-euro-stimme-der-oekonomen-imk-zr-91759418.html

[4]https://www.diw.de/de/diw_01.c.847880.de/publikationen/diskussionspapiere/2022_2010/the_costs_of_natural_gas_dependency__price_shocks__inequality__and_public_policy.html

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