SanitaetsbereichEin Bundesministerium empfängt eine ausländische Delegation, um die Mitglieder von Elementen eines vermeintlich funktionierenden Systems zu überzeugen mit dem Ziel, dass diese Elemente übernommen werden.

Die Rede ist hier vom Bundesministerium für Gesundheit, das im März 2011 leitende Mitarbeiter des griechischen Gesundheitsministeriums zu einem Workshop einlud. Mit am Tisch saßen auch die AOK Berlin/Brandenburg und der Klinikkonzern Vivantes. Thema des Workshops: die stationäre Versorgung in Deutschland, insbesondere die vertraglichen Bindungen zwischen Kliniken und Krankenkassen. Zudem trafen im März und April 2011 unter Federführung des Gesundheitsministeriums Experten in Athen und Berlin zusammen, um Fragen zur Arzneimittelversorgung und Preisgestaltung zu erörtern. Bei diesen Treffen wurde den griechischen Teilnehmern auch die Einführung der in Deutschland üblichen Fallpauschalen nahegelegt.

Zur Erinnerung: Laut jüngstem Arzneiverordnungsreport aus dem Herbst 2012 gilt Deutschland noch immer als Hochpreisland für Medikamente. Ein weiterer Kritikpunkt war die wenig transparente Preisgestaltung. Das Gleiche gelte für die zwischen Krankenkassen und bestimmten Herstellern abgeschlossenen Rabattverträge. Damit nicht genug, gibt es laut OECD in kaum einem anderen Industrieland mehr Klinikaufenthalte, wird nirgendwo häufiger operiert als in Deutschland. Allein bei den Hüftoperationen nimmt Deutschland den Spitzenplatz ein. Kritiker sehen den Grund hierfür u.a. im Instrument der Fallpauschalen. Deutschlands Klinikärzte ächzen unter der Bürokratie, die kostbare Zeit frisst, die dann fehlt, wenn es um den Dienst am Patienten geht. Schwestern und Pfleger sind an ihrer Belastungsgrenze, dennoch wird weiter gekürzt, werden Stationen zusammengelegt, was in der Regel mit Personaleinsparungen einhergeht.

Das deutsche Gesundheitssystem in seiner jetzigen Verfassung bedarf einer Therapie und ist alles andere, nur kein hochwertiger Exportartikel. Was, wenn dieses kranke System dennoch exportiert wird? Es infiziert ein ohnehin bereits angeschlagenes Gesundheitswesen wie das griechische und führt zu dessen Kollaps.
Link zum Artikel von Rodothea Seralidou „Menschenleben stehen auf dem Spiel“

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