Vor etwas mehr als einem Jahr ist das Berliner Start-up Gorillas an den Start gegangen. Gorillas verspricht, innerhalb von 10 Minuten mehr als 2.000 Supermarktprodukte bis an die Haustür zu liefern. Es ist ein Geschäftsmodell, das bislang noch nicht rentabel ist und maßgeblich auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird. Rider*innen bei Gorillas berichten immer wieder von nichteingehaltenen Mindeststandards beim Arbeits- und Gesundheitsschutz. Sie haben beschlossen, sich zu organisieren und Betriebsratswahlen einzuleiten. Der Prozess ist gerade im vollen Gange.

Die Probleme bei Gorillas reichen über ausbleibende oder fehlerhafte Gehaltszahlungen, schlechte Hygienestandards und fehlende Pausenräume in den Warehouses bis hin zu einer höchst anonymisierten Unternehmenskommunikation, die immer wieder zu Problemen zwischen Beschäftigten und Geschäftsführung führt.

Auf meine Einladung hin hat sich deswegen am 20.07.2021 auch Arbeitsminister Hubertus Heil in den Konflikt eingeschaltet. Zusammen mit ihm habe ich mich an diesem Tag sowohl mit den Beschäftigten als auch mit Mitgliedern der Geschäftsführung von Gorillas getroffen. Die Gorillas Geschäftsführung gibt an, dass sie die Betriebsratswahlen kooperativ begleiten wollen. Wenn sich das bewahrheitet, wäre das ein erster wichtiger Schritt. Mitbestimmung gehört in vielen Start-ups und insbesondere in der E-Commerce leider oft noch nicht zur Realität. Die Gründung eines Betriebsrats wäre ein wichtiger Schritt für die Gorillas-Beschäftigten und ein Zeichen an die ganze Branche, in der ausbeuterische Arbeitsbedingungen leider immer noch weit verbreitet sind.

Mithilfe von Betriebsräten können die in dieser Branche weit verbreiteten Arbeitsschutzprobleme direkter und schneller angegangen werden. Auch in den vielen problematischen Kündigungsfällen, die bei Gorillas immer wieder auftreten, würde ein Betriebsrat eine neue Dimension des Schutzes bedeuten. Für mich steht fest, dass ich mich auch in der kommenden Legislatur für bessere Arbeitsbedingungen und faire Löhne in der E-Commerce und Plattformökonomie einsetzen werde. Es gibt hier noch viel zu tun!

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