Hochaktuell zur Debatte um die Einführung der Gebietskategorie „Urbane Gebiete“ (https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2016/kw48-de-regierungsbefragung/481808), die derzeit in den Ausschüssen des Bundestages diskutiert wird, habe ich mich in der vergangenen Woche mit Staatssekretär Florian Pronold aus dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und den Machern des „Projekts Eckwerk“ an der Holzmarktstraße getroffen.

Auf dem Gelände der ehemaligen „Bar25“ in Friedrichshain entsteht hier ein sehr interessantes und innovatives Projekt: 2000 Quadratmeter Gemüseanbau und Fischzucht sollen dem Dach eines Hochhauses mit Holzfassade installiert werden. Die Treppen nach oben werden als „bewachsene Gebirgswanderwege“ gestaltet. Das Projekt wird Wohnungen mit variablen Wohnungszuschnitten, flexiblen Wohngemeinschaften bieten und mit einer 50-prozentigen gewerblichen Nutzung kombinieren. Das alternative Wohn- und Gewerbeprojekt wird u.a. mit einem intelligenten Wärmemanagement ausgestattet, das eine positive Energiebilanz nach zehn Jahren ermöglicht. Das Projekt sieht eine durchschnittliche Verweildauer der Mieter von 900 Tagen vor und wird genossenschaftlich verwaltet. Die Architekturbüros Kleihues + Kleihues und GRAFT entwickeln mit diesem Projekt gemeinsam mit der Genossenschaft für urbane Kreativität (GuK) einen außergewöhnlichen Gebäudekomplex. Kein Ort des privaten Rückzugs soll hier entstehen, sondern mit größtmöglicher Öffnung. Der im Bürgerentscheid „Spreeufer für alle“ geforderte Uferwanderweg wird sich nicht nur draußen, sondern auch durch das Gebäude schlängeln. Drei Bereiche wird es geben: das „Eckwerk“, das „Dorf“ und ein Hotel.

Mario Husten, Eckwerk-Geschäftsführer und im Vorstand der Holzmarkt eG, erklärt: „Kreative, Gründer und junge Unternehmer sollen hier zusammenkommen und Lösungen für Umwelt-, Energie- und Ernährungsfragen entwickeln. Unter dem Motto ‚Raum auf Zeit. Austausch für immer‘ soll ein hochkommunikativer Ort geschaffen werden, die Grenzen zwischen Leben und Arbeit, Wohnen und Gewerbe sollen verschwinden, ein gesellschaftlicher Mehrwert soll geschaffen werden.“ Inzwischen ist auch ein landeseigenes Wohnungsbauunternehmen mit an Bord.

„Wir wollen mit dem Holzmarkt25 ein Prototyp sein“, unterstreicht Mario Husten. Angeregt diskutierten wir, wie ein modernes Miteinander von Wohnen, Kultur und Gewerbe funktionieren kann. Es geht um die Evaluation der Chance, das Gebiet zwischen Michael- und Schillingbrücke zum Urbanen Entwicklungsgebiet zu erheben, ein Bespiel zu setzen zum innovativen und nachhaltigen Umgang mit innerstädtischen Themen wie Lärm, Energie, wirtschaftliches Bauen und Durchmischung.

Die aktuelle Gesetzesinitiative zur Einführung von ‚Urbanen Gebieten‘ ist dazu ein guter Anfang. Der neue Baugebietstyp erlaubt den Kommunen, dass künftig auch in stark verdichteten städtischen Gebieten oder in Gewerbegebieten Wohnungen gebaut und Gebäude als Wohnraum genutzt werden dürfen. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass auch soziale, kulturelle und andere Einrichtungen in nächster Nähe stehen werden. Wichtig ist, dass die Wohnnutzung nicht wesentlich gestört ist. Die neue Gebietskategorie soll das Miteinander von Wohnen und Arbeiten erleichtern. Es folgt damit dem Leitbild einer Stadt mit kurzen Wegen, Arbeitsplätzen vor Ort und einer guten sozialen Mischung in Berlin.

 

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