In der deutschen Öffentlichkeit werden Jugendliche mit Migrationshintergrund seit langer Zeit als Problemgruppe angesehen und werden daher häufig mit besonderer Aufmerksamkeit betrachtet, wenn es um Kriminalität und Gewaltbereitschaft geht.

Vor allem die privaten Fernsehsender und Boulevardblätter haben laut dem von Dr. Christian Wahlberg angefertigten und vom Mediendienst Integration im Juli veröffentlichten Bericht „Migration und Jugenddelinquenz“ ihren Anteil an der öffentlichen Meinung ausländischen Jugendlichen gegenüber.

Wahlberg kritisiert in dem Bericht verzerrte Bilder, die durch die bloße Betrachtung der registrierten Kriminalität entstehen können. So hätten im Jahr 2012 20% der registrierten ausländischen Tatverdächtigten ihren Wohnsitz im Ausland gehabt, gehörten nicht zur hiesigen Migrationsbevölkerung und dürften aufgrund dessen nicht berücksichtigt werden, wenn man die Kriminalitätsraten Jugendlicher mit Migrationshintergrund in Deutschland betrachtet. Weiterhin sei zu berücksichtigen, dass ein beträchtlicher Teil der Tatverdächtigen (von etwa 20%) wegen Verstoßes gegen spezielle ausländerrechtliche Vorschriften, wie etwa wegen unerlaubter Einreise oder unerlaubten Aufenthalts, registriert ist, die von deutschen Bürgern nicht begangen werden könnten. Die Zahl der ausländischen Jugendlichen wegen sonstiger Delikte sei hingegen zwischen 2012 und 2013 weiter gesunken. Überdies hat sich die Zahl der Gewaltdelikte, die von ausländischen Jugendlichen begangen wurden zwischen 2005 und 2013 laut der Polizeilichen Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes fast halbiert. Lediglich aufgrund der Tatsache, dass in derselben Zeit auch die Gewaltdelikte deutscher Jugendlicher in ähnlichem Umfang abgenommen haben, ist der Ausländeranteil an den offiziell registrierten Jugendlichen laut dem Bericht nicht weiter gesunken.

Wahlberg kommt zu dem Schluss, dass das Phänomen der Kriminalitätsbeteiligung nicht primär herkunftsspezifisch hergeleitet werden kann und sieht eine stärkere Bildungsbeteiligung von Jugendlichen aus Migrantenfamilien sowie eine größere gesellschaftliche Anerkennung von Einwanderernachkommen durch die Gesellschaft als Lösungen für eine Verringerung von Delinquenzrisiken.

Der vollständige Bericht findet sich hier.

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