IndustrieDie jüngste Analyse aus dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung bringt es einmal mehr an den Tag: 22 Prozent der Beschäftigten in Deutschland arbeiten im Niedriglohnsektor.

 

Deutschland belegt Platz 7 im EU-Ranking und wurde nur von Zypern, Polen, Rumänien und den drei baltischen Staaten überholt.

Dieses Ergebnis entzaubert das von Merkel und Schäuble gefeierte „Jobwunder“ und macht deutlich, auf welchen Pferdefüßen es steht: Lohnzurückhaltung und Niedriglöhne. Mehr noch: Nach den Vorstellungen der Kanzlerin und ihres Finanzministers soll es zum Exportschlager werden nach der Losung: „Kein Mindestlohn für Deutschland, dafür aber einen flächendeckenden Niedriglohn für ganz Europa.“

Die Analyse zeigt auch, dass in Staaten mit hoher Tarifbindung die Gefahr eines ausufernden Niedriglohnsektors gering ist und durch Regulierung gebannt werden kann. Für die Politik kann das nur heißen, den Schulterschluss mit den Gewerkschaften zu suchen. Starke Gewerkschaften mit hohem Organisationsgrad sichern angemessene Einkommen für die Beschäftigten. Beispiel Schweden: 70 Prozent der Beschäftigten sind gewerkschaftlich organisiert, für 90 Prozent gelten Tarifverträge, mit der Konsequenz, dass Schweden eine Niedriglohnquote von 2,5 Prozent aufweist und somit der wahre Musterschüler ist.

Link zum Artikel „Mehr Niedriglöhne als die Nachbarn“, Böckler Impuls 10/2013

X