Am 22.01.2021 habe ich mich gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmer*innenfragen der SPD Berlin in einem offenen Brief an die Konzernleitung von Dr. Oetker Deutschland gewandt. Bei der Zusammenlegung der Unternehmen Flaschenpost und Durstexpress sind die Standorte in Berlin, Leipzig und Bochum betroffen. Hier sollen mehrere Hundert Beschäftigte inmitten der Corona-Krise ihre Jobs verlieren. Und das, obwohl sie gerade in den letzten Monaten Enormes geleistet haben. Wir alle wissen, der Online-Handel boomt, das gilt auch für Getränkelieferanten. Dabei kann es auch anders gehen: Ein geregelter Betriebsübergang mit Übernahme der Beschäftigten etwa wäre eine Lösung und hätte keine Kündigungen zur Folge. Wir stehen an der Seite der Beschäftigten und fordern: Zeigt soziale Verantwortung und geht in den Dialog mit den Beschäftigten!

Unser Brief im Wortlaut:

Sehr geehrte Familie Oetker, sehr geehrte Geschäftsführung der Oetker-Gruppe,

mit großer Sorge erfuhren wir, dass die Beschäftigten von Durstexpress an mehreren Standorten darunter unter anderem in Berlin und Leipzig im Rahmen der Zusammenlegung von Durstexpress und Flaschenpost die Kündigung erhalten haben oder diese bereits angekündigt ist. Wir wenden uns deshalb mit diesem Brief an Sie und appellieren eindringlich, einen geregelten Betriebsübergang sicherzustellen und die Arbeitsplätze ihrer vielen engagierten Mitarbeiter*innen gerade in diesen schwierigen Zeiten zu erhalten.

Die Beschäftigten von Durstexpress und Flaschenpost haben Enormes geleistet. Im boomenden Liefergeschäft haben sie durch ihre tagtägliche engagierte Arbeit Rekorde gesetzt und so maßgeblich an der Expansion und am Wachstum der Unternehmen mitgewirkt. Ohne sie wären Durstexpress und Flaschenpost nie so erfolgreich geworden wie sie es jetzt sind. Sie müssen daher auch im Rahmen eines Betriebsübergangs die Anerkennung erhalten, die sie verdienen.

Während der Corona-Pandemie sind die Leistungen von Durstexpress und Flaschenpost so gefragt wie nie. Die Mitarbeiter*innen übernehmen hier eine äußerst wichtige und gesellschaftlich wertgeschätzte Aufgabe, denn sie versorgen all diejenigen mit Getränken, die das aus gesundheitlichen Gründen oder Quarantäneverpflichtungen nicht selbst erledigen können. Sollten Sie jetzt ihren Job verlieren, stehen sie selbst vor der Frage, wie sie ihre Familien weiter versorgen, wie die Rechnungen und die Miete gezahlt werden sollen.

Als Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmer*innenfragen ist es uns auch vor dem Hintergrund des digitalen Wandels in der Arbeitswelt wichtig, den Beschäftigten in der Plattformökonomie einen wirksamen und ausreichenden Schutz zu gewährleisten. Wir möchten Sie als Arbeitgeber auch dazu auffordern, die neue Arbeitswelt verantwortungsvoll und sozial mitzugestalten und hier mit gutem Beispiel voranzugehen. Organisieren Sie den Betriebsübergang nach § 613 a BGB und übernehmen sie die Beschäftigten von Durstexpress!

Als politisch Handelnde beobachten wir genau, wie Unternehmen in Deutschland agieren. Wir kennen Sie als verantwortungsbewusstes Unternehmen. Ebenso wie Ihre Beschäftigten waren wir erleichtert, dass die Mitarbeiter*innen von Durstexpress zunächst vollständig übernommen werden sollten. Mit großer Enttäuschung mussten wir jetzt erfahren, dass das nicht mehr der Fall sein soll. Wir appellieren deshalb erneut an Sie: Zeigen Sie Verantwortung und gehen Sie in den Dialog mit den Betriebsräten. Wir sind der festen Überzeugung, dass gemeinsam mit den Beschäftigten immer eine Lösung gefunden werden kann. Lassen Sie Ihre Mitarbeiter*innen in der Krise nicht im Stich!

Mit freundlichen Grüßen

Cansel Kiziltepe, Mitglied des Deutschen Bundestags
Rolf Wiegand, AfA-Landesvorsitzender Berlin
Annegret Hansen, Stv. AfA-Landesvorsitzende Berlin
Viktoria Jeske, Stv. AfA-Landesvorsitzende Berlin
Lukas Rohm, Stv. AfA-Landesvorsitzender Berlin
Daniel Schwanz, AfA-Landesvorstand Berlin

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