Die Fluggesellschaft Ryanair ist aufgrund der unzumutbaren Arbeitsbedingungen und zahlreicher Arbeitsrechtsverletzungen Dauerbrenner in den Schlagzeilen. Die jüngste Reportage von Team Wallraff förderte durch Undercover-Einsätze bei Ryanair die verheerenden Zustände eindrücklich zu Tage.

Angestellt sind die Flugbegleiter*innen, die für Ryanair arbeiten, allerdings nicht direkt bei Ryanair, sondern bei einer Leiharbeitsfirma namens „Crewlink“. Die Arbeitsverträge, die Crewlink künftigen Flugbegleiter*innen vorlegt, weisen etliche Verstöße gegen deutsches Arbeitsrecht auf. So werden statt der gesetzlich mindestens vorgesehenen 24 Urlaubstage nur 18 gewährt. Die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall wird erst nach einer Betriebszugehörigkeit von zwölf Monaten bezahlt. Außerdem wird, wer sich krank meldet, früher oder später zum Disziplinargespräch nach Dublin zitiert. Dort wird dann auch der Grund der Krankschreibung erfragt. Nach deutschem Arbeitsrecht hat das den Arbeitgeber nichts anzugehen!

Der Beitrag zeigt auch die Ausbildung des Ryanair Bordpersonals. Hier wurde deutlich: der Billigflieger investiert bei der Ausbildung eine ganze Woche in die Verkaufsschulung, jedoch nur einen einzigen Tag in Evakuierungsübungen bei Notfällen. Eine Nachbesprechung wird nicht unternommen. Darüber hinaus werden vorrangig Pilot*innen mit geringer Berufserfahrung eingestellt, um auch hier Kosten zu minimieren. Dieses Verhalten birgt ein erhebliches Sicherheitsrisiko.

Bereits in der Ausbildung wird mit Angst und Druck gegen das Personal gearbeitet. Die Arbeitnehmer*innen haben Sorge, ihre Arbeit zu verlieren und halten sich mit Kritik am Unternehmen und der Durchsetzung der ihnen zustehenden Rechte zurück: „We rule by fear and it works“ wird der Chef Michael O’Leary gerne zitiert. Auf deutsch: „Wir regieren mit Angst und es funktioniert.“

Auch die Rechte der Passagiere verletzt Ryanair: So ist bei einem Flug mit zwei Stunden Verspätung vorgeschrieben, dass die Passagiere in der Maschine einen Anspruch auf Getränke und Essen haben. Obwohl die Airline verpflichtet wäre in so einem Fall kostenfreie Verpflegung zur Verfügung zu stellen, zeigt der Beitrag, dass Ryanair die Passagiere auch dann nur gegen Bezahlung mit Getränken bedient.

Seit langem setze ich mich als ver.di-Patin für die Flugbegleiter*innen von Ryanair ein und sehe den dringenden Bedarf, gegen Ryanair vorzugehen. Der Beitrag hat mich in meiner Einschätzung gegenüber der Notwendigkeit bestärkt. Es kann nicht angehen, dass diese Fluggesellschaft bewusst die Rechte der Arbeitnehmer*innen umgeht und unter den Beschäftigten Angst und Schrecken verbreitet.

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