WerkverträgeUnternehmen sind kreativ. Sie suchen stets nach neuen Wegen, um gute Arbeitsbedingungen zu umgehen. Nachdem der Leiharbeit als Instrument des Lohndumpings mit der Festlegung von Mindestlöhnen (West: 8,19 Euro/Ost: 7,50 Euro) ein Riegel vorgeschoben wurde, rückt der Missbrauch von Werkverträgen in den Fokus. Hierbei geht es um den Einsatz von „Solo-(Schein-)Selbstständigen“ in Unternehmen parallel zur Stammbelegschaft, aber auch in ausgegliederten Betriebsbereichen.

Auf diese Weise werden Tariflöhne und der Mindestlohn für die Leiharbeit ausgehebelt. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind beim Werkvertragsunternehmen überwiegend als Minijobber beschäftigt. Derlei Praktiken werden als freie Industriedienstleistungen beworben, um der mittlerweile etwas besser regulierten Zeitarbeit entfliehen zu können. Werkverträge sind ein Ausweichinstrument geworden, das auch die Mitbestimmung untergräbt. Faktisch geht es jedoch um Leiharbeit unter dem Deckmantel eines Werkvertrages.

Nach Schätzungen des IAB, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, sind in Deutschland mehr als 600.000 Menschen über Werkverträge beschäftigt. Zwischen 2002 und 2011 hat sich die Zahl der Werkverträge nahezu verdoppelt. Nicht nur im Einzelhandel ist dieses Schlupfloch beliebt, mittlerweile hat es auch die Industrie für sich entdeckt.

Aufsehen erregte der zum VION-Konzern gehörende bayerische Südfleisch-Schlachthof, der rumänisches Fremdpersonal zu einem Monatslohn von 173 Euro einsetzte. Die Aufdeckung von Scheinwerkverträgen scheitert oft an den diffusen Abgrenzungskriterien zur Leiharbeit.

Deshalb müssen die Abgrenzungskriterien schärfer formuliert werden, damit Werkverträge nicht für Dumpingzwecke eingesetzt werden können. Es sind Kriterienkataloge zusammenzustellen, mit deren Hilfe Schein-Werkverträge leichter identifiziert werden können.

Links:
Antrag der SPD Bundestagsfraktion BT-Drs. 17/12378
Böckler Impuls 8/2012

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