Sport soll zur Gesundheit beitragen und weder krank noch abhängig machen. Umso befremdlicher sind die Ergebnisse einer Recherche der ARD-Dopingredaktion und Correctiv. Diese hat den massiven Gebrauch von Schmerzmitteln im deutschen Fußball aufgedeckt. In der dazugehörigen Fernseh-Reportage wird auch ein Profi-Fußballer zitiert, der sagt: „Im Profifußball werden Schmerzmittel wie Smarties verteilt.“

Nicht nur im Fußball werden Schmerzmittel intensiv konsumiert. Insgesamt gehen in Deutschland jährlich 100 Millionen Packungen frei verkäuflicher Schmerzmittel über die Tresen der Apotheken. Schmerzmittel können enorme Nebenwirkungen haben. So verdünnt beispielsweise Aspirin das Blut, Paracetamol wird über die Leber abgebaut und kann diese unter Umständen schädigen.

Aus diesem Anlass war der Schmerzmittelkonsum im Sport am 27.01.2021 Thema einer öffentlichen Anhörung im Sportausschuss. Denn die gesundheitlichen Schäden sind zum Teil gravierend. Dies gilt für zahlreiche Sportarten, wie beispielsweise Handball, Fußball oder Langstreckenlauf. Darüber hinaus wurde die Frage der Klassifizierung von Schmerzmitteln als Dopingmittel erörtert. Ebenso wie der Schutz von Kindern und Jugendlichen sowie die Verantwortung von Trainer*innen sowie Ärzt*innen.

Es ist deutlich geworden, dass wir eine gesamtgesellschaftliche Debatte über die Verwendung von Schmerzmitteln brauchen. Dabei muss auch über die Rolle der Pharmaindustrie gesprochen werden. Denn vielfach wird in der Werbung suggeriert, dass die Verwendung von Schmerzmitteln harmlos sei.

Hier ist vor allem Aufklärung und Prävention notwendig, denn Schmerzmittel sind keine Smarties sondern Arzneimittel. Im (Spitzen-)Sport zählt natürlich auch die Leistung. Doch dürfen gesundheitliche Schäden niemals klein geredet werden. Daher ist in meinen Augen auch ganz klar die massive Kommerzialisierung des Fußballs und weiterer Sportarten, wie Handball, Tennis, Eishockey oder Basketball zu kritisieren. Hier sollten auch die Spitzenathlet*innen Vorbild für Kinder und Jugendliche sein.

Wir müssen nicht nur im Sport, sondern auch in unserer Gesellschaft lernen, mit Schwäche, Krankheiten und Verletzungen anders umzugehen. Die Gier nach Erfolg hat auch den ambitionierten Breitensport längst erreicht. Auch dort wird vielfach ohne Rücksicht auf Verlust Sport getrieben. Vielmehr muss Amateursport in erster Linie Freude und Spaß vermitteln.

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