Das Finanzsystem mit seiner enormen Wirkungskraft ist ein effektiver Hebel, um die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) zu realisieren. Im September 2015 wurden die SDGs auf UN-Ebene beschlossen. Das Ziel: der Armut weltweit ein Ende zu setzen und den Klimawandel einzudämmen.

Eine sogenannte Taxonomie für nachhaltige Finanzen spielt dabei eine große Rolle. Taxonomie bedeutet Klassifizierung. Diese bietet eine einheitliche Definition, welche Finanzprodukte sich als „nachhaltig“ deklarieren dürfen. Im Finanzbereich herrscht keine Einigkeit über eine einheitliche Definition von Nachhaltigkeit. Es gibt sogar zum Teil die Forderung, dass Atomkraft unter Umständen als nachhaltig zu deklarieren sei. Dies lehne ich umfassend ab.

Wir dürfen bei den Kriterien zu nachhaltigen Finanzen soziale und Governance-Aspekte keinesfalls vergessen. Auch soziale Verträglichkeit gehört zu Nachhaltigkeit! Das heißt, dass natürlich auch Menschen- und Arbeitnehmer*innenrechte Beachtung finden müssen.

Solange es keine Taxonomie gibt, ist die Gefahr von „Green Washing“ groß – das heißt, dass Produkte als nachhaltig bezeichnet werden, die es nicht sind. Transparenz- und Offenlegungsbestimmungen müssen unbedingt festgelegt werden, um dieser Täuschung entgegen zu treten. Aus genau diesem Grund hat die EU-Kommission einen Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums veröffentlicht, in dem auch Vorschriften zur Offenlegung enthalten sind.

Nachhaltige Investitionen sind nicht per se risikoärmer als nicht-nachhaltige Investitionen. Der Vorschlag, einen sogenannten „Green Supporting Factor“ an den Finanzmärkten einzuführen, ist in Brüssel bereits vom Tisch. Die ursprüngliche Idee: Grüne Investitionen sollten geringeren Eigenkapitalanforderungen unterliegen. Die Kapitalmarktvorschriften müssen jedoch auch für grüne Finanzanlagen gelten, um weiterhin am Ziel stabiler Kapitalmärkte festzuhalten.

Sustainable Finance könnte der Katalysator für eine Entwicklung hin zu einem nachhaltigen und nicht ausschließlich renditeorientierten Finanzmarkt sein. Für eine nachhaltige Entwicklung sind nachhaltige Finanzflüsse, die auf langfristige und nicht kurzfristige Erträge zielen, unabdingbar. Daher ist es völlig richtig, dass die Bundesregierung zu Beginn des Monats einen Sustainable Finance-Beirat gegründet hat. Ich bin gespannt auf die Vorschläge des Beirats und werde mich auch weiterhin für ein nachhaltiges Finanzwesen stark machen.

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