Noch immer leisten Frauen international viermal so viel unbezahlte Sorgearbeit wie Männer. Was klingt wie ein angestaubter Spruch aus dem letzten Jahrhundert ist auch in Deutschland noch heute Realität: Haushalt, Pflege und Kinder sind immer noch (überwiegend) Frauensache.

Aber das muss sich ändern! Denn gleichberechtigte Teilhabe ist nur möglich, wenn auch die unbezahlte Sorgearbeit von Frauen und Männern gemeinsam und zu gleichen Teilen wahrgenommen wird.

Sorgearbeit ist oft unsichtbar. Sie wird weder entlohnt noch findet sie angemessene Wertschätzung. Frei nach dem Motto: „Das bisschen Haushalt macht sich von allein“. Das ist nicht nur für Frauen finanziell und in puncto Gerechtigkeit eine Katastrophe, sondern hat weitreichende Folgen für unsere Gesellschaft. Denn der Gender-Care-Gap wirkt sich auch negativ auf Alterssicherung oder die Mitbestimmung im Arbeitsleben aus.

In Zeiten der Corona-Pandemie dürfen alte Rollenbilder nicht aus der Mottenkiste geholt werden. Denn Homeoffice, Homeschooling sowie die Pflege von Angehörigen bedeuten eine enorme zusätzliche Belastung, die nachweislich vor allem Frauen trifft. Deshalb ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt für mutige, aber längst überfällige Veränderungen. Die Corona-Pandemie darf nicht zum gleichstellungspolitischen Rollback werden!

Um den Gender-Care-Gap zu schließen, müssen wir unbezahlte Sorgearbeit gerechter verteilen. Dafür braucht es einen echten Kulturwandel. Mit dem Ausbau von Kinderbetreuung und professioneller Pflege sowie finanziellen Anreizen für partnerschaftliche Lebens- und Familienentwürfe müssen wir diesen Kulturwandel jetzt voranbringen.

X