Schulessen_Foto_by_Jens_OlafBezirkselternausschüsse laufen Sturm, Betroffene schicken einen Brandbrief an die zuständige Senatorin – die Verteuerung des Schulessens sorgt in Berlin für reichlich Unmut. Schuld daran auch ein Zuviel an Bürokratie.

Gastbeitrag von Miriam Noa, bildungspolitische Sprecherin der SPD in der BVV Friedrichshain-Kreuzberg und Stellvertretende Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Bildungsfragen (AfB)

23 oder 37 Euro? Industriepampe oder Ökoversorgung? Was ein Schulessen kosten darf und welchen Qualitätsstandards es entsprechen sollte, das wird in Berlin seit Längerem heißer diskutiert als so manche Kartoffel, die auf einem Mensa-Teller landet.

Klar ist: Für Beträge weit unter 2 Euro kann kein Caterer ausgewogenes, gutes Essen liefern und dabei auch noch sämtliche anfallenden Personal-, Verwaltungs- und Materialkosten decken. Er muss dafür mehr Geld verlangen dürfen. Insofern ist es selbstverständlich zu begrüßen, dass hierüber ein breiter Konsens auf Landes- und Bezirksebene, bei den Eltern wie den politisch Verantwortlichen zu herrschen scheint.

Worüber man sich nicht einig wird, ist, wer für die Mehrkosten aufkommen soll. Für den Senat ist klar, dass dies die Eltern sein müssen. Eltern und etliche Bezirkspolitiker halten dagegen, dass ein Land, das seine Kinder in Ganztagsschulen lernen lässt, diese auch angemessen versorgen muss – wenn schon nicht gratis, so doch wenigstens in einem finanziell vertretbaren Rahmen. Dieser Rahmen ist für viele Eltern schon bei einem Beitrag von 23 Euro ausgeschöpft; 14 Euro mehr im Monat mögen dem einen oder anderen nicht wehtun, sind aber für viele Menschen in unserer Stadt sehr viel Geld – erst recht, wenn sie mehr als ein Kind haben, alleinerziehend sind oder trotz vollen Einsatzes von ihrer Arbeit kaum leben können.

Was spricht dagegen, die Beiträge einkommensabhängig zu staffeln? Was dagegen, die Antragsverfahren auf Zuschüsse unbürokratischer zu gestalten? Hier ist neben der Landes- auch die Bundesregierung gefragt. Wenn wir – und das ist gut! – Kinder und Jugendliche in Ganztagsschulen schicken, müssen wir dafür sorgen, dass niemand aus Kostengründen mit leerem Bauch dasitzen muss. Ein voller Bauch studiert nicht gern – ein leerer genauso wenig.

 

 

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