Der Anstieg der Verbraucherpreise zieht sich auch ins Jahr 2022. Nachdem die Preise im Vergleich zum Jahr 2020 im vergangenen Jahr im Mittel um 3,1% gestiegen waren, bleibt die Inflationsrate mit 4,9% auch im Januar 2022 zunächst hoch. Nach einem Jahrzehnt, das geprägt war von (zu) niedrigen Inflationsraten im Euroraum, ist um die zuletzt stark gestiegenen Verbraucherpreise eine hitzige Diskussion entstanden. Dabei geht es darum, die Ursachen der inflationären Tendenzen zu verstehen, ihre Auswirkungen zu identifizieren und dann entsprechend zielgerichtet zu reagieren.

Getrieben werden die hohen Inflationsraten seit dem zweiten Halbjahr 2021 von mehreren Faktoren. Zum einen haben die durch die Pandemie unterbrochenen Lieferketten zu Engpässen bei Vorprodukten und Rohstoffen wie Halbleitern, Holz, Kupfer und Stahl geführt. Zum anderen sind, auch befeuert durch den geopolitischen Konflikt in der Ukraine, die Energiepreise in den vergangenen Monaten enorm gestiegen. In Europa macht sich das vor allem am gestiegenen Gaspreis bemerkbar. Seit 2019 hat sich der Preis für Gas, der auch entscheidende Auswirkungen auf den Strompreis hat und die wichtigste Heizenergie in Deutschland ist, mehr als verdoppelt.

Bemerkbar machen sich die Preise im Alltag vor allem beim Tanken, Heizen und auf der Rechnung im Supermarkt. Dabei trifft die Inflation unterschiedliche Gruppen unterschiedlich hart. Haushalte mit geringerem verfügbarem Einkommen zahlen anteilig mehr für ihre Heizrechnung und für Nahrungsmittel. Wir als SPD wollen in der Bundesregierung deswegen diese sozialen Härten abfedern und arbeiten mit Nachdruck an schnellen und effektiven Maßnahmen. Wir bereiten deswegen einen Heizkostenzuschuss für BAföG- und Wohngeld-Empfänger*innen, die Abschaffung der EEG-Umlage und ein Klimageld vor.

Doch auch darüber hinaus gibt es Möglichkeiten mit den derzeitigen Preisschocks umzugehen. Die Union fordert derweil schon die Europäische Zentralbank auf, möglichst schnell den Leitzins zu erhöhen – doch ein zu schnelles Handeln könnte an dieser Stelle verheerende Folgen für das Wirtschaftswachstum und die Arbeitslosigkeit in Europa und in Deutschland haben. Am vergangenen Mittwoch haben wir deswegen in der AG Steuerpolitik mit rund 60 Teilnehmer*innen aus der SPD-Fraktion zielgerichtete Maßnahmen zur Eindämmung der Preisschocks diskutiert. Zu Gast waren dafür Dr. Isabella Weber, Assistenzprofessorin an der University of Massachusetts, und Prof. Dr. Sebastian Dullien, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung.

Die beiden Ökonom*innen hatten zuletzt in der Süddeutschen Zeitung einen interessanten Vorschlag für eine Deckelung des Gaspreises auf den Grundverbrauch gemacht. Wer mehr über diesen Vorschlag lesen will, sollte sich diesen Twitter-Thread von Sebastian Dullien durchlesen.

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