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Liebe Besucherinnen und Besucher,

in diesem Jahr ist es wieder so weit: Der Deutsche Bundestag wird neu gewählt. Mit der Wahl werden wichtige Weichen für die Zukunft der Menschen in Deutschland gestellt. Das wird auch Konsequenzen für Europa haben.

Als jüngstes Kind einer Gastarbeiterfamilie bin ich 1975 in Berlin-Kreuzberg (Wrangelkiez) geboren. Meine Kindheit und Jugend habe ich an der Spree, zwischen Ost und West, zwischen Friedrichshain und Kreuzberg verbracht. Entscheidenden Einfluss auf meine persönliche Entwicklung hatte das schulische und außerschulische Angebot der Kurt-Schumacher-Grundschule in Berlin-Kreuzberg. Auch wenn meinen Eltern eine gute Bildung ihrer Kinder sehr wichtig war, konnten sie mir vieles nicht mit auf den Weg geben. Zugang zu Selbstverständlichkeiten wie Theater- und Museumsbesuche oder aber ein breites Angebot an Kinderliteratur erhielt ich an meiner Ganztagsschule. Dafür bin ich sehr dankbar.

Kreuzberg war schon immer ein „politisches Pflaster”. Damit bin ich aufgewachsen. In den Auseinandersetzungen ging es um gerechte Verteilung von Einkommen und Vermögen, um soziale Gerechtigkeit, um Teilhabe an Bildungschancen und um Wohlstand für alle. Schon früh interessierten mich ökonomische Prozesse und ihre sozialen Folgen. Deshalb entschied ich mich, Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Nach dem Studium an der TU Berlin machte ich meine ersten beruflichen Erfahrungen in der Privatwirtschaft. Im Anschluss war ich über sechs Jahre als Referentin im Bundestagsbüro Ottmar Schreiners beschäftigt. Dort lernte ich die parlamentarische Arbeit kennen. Heute arbeite ich bei Volkswagen in Wolfsburg und bin zuständig für volkswirtschaftliche Analysen.

Der Beginn meines aktiven politischen Engagements fällt in eine Zeit, als der Sozialstaat verschlankt wurde und der Staat als Ordnungsgeber sich immer weiter zurückzuziehen hatte: die Deregulierung des Arbeitsmarktes, die Teilprivatisierung der Sozialversicherungssysteme und die ungezügelte Liberalisierung der Finanzmärkte. Ich konnte innerhalb kurzer Zeit eine Entwicklung mitverfolgen, deren Folgen für die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland immer schmerzhafter wurden. Wir haben mittlerweile europaweit den größten Zuwachs an prekärer Beschäftigung und Niedriglöhne, von denen die Betroffenen kaum leben können. Auch der Staat wird immer ärmer, gleichzeitig werden die Reichen immer reicher. Die soziale Spaltung gefährdet die Fundamente unserer Demokratie. Ich will mitwirken an einer solidarischen Gesellschaft, die die Lasten und Chancen gerecht verteilt und niemanden zurücklässt. Ich will keine Gesellschaft, in der Kinder, weil sie in Hartz-IV-Haushalten mit chronischer Not aufwachsen, als Erstes lernen müssen, ihre Wünsche zu unterdrücken.

Und Europa? Mit dem Projekt Europa schien der Nationalismus nach zwei folgenreichen Weltkriegen überwunden. Die Finanz- und die Wirtschaftskrise und gerade die Krisenpolitik mit ihren sozialpolitisch verheerenden Auswirkungen haben jedoch dazu geführt, dass der Nationalismus neu entfacht wurde. Die Gefahr der Rückkehr in die Kleinstaaterei ist eine ernste Bedrohung. Ein „weiter so” führt uns, unser Land und unser Europa in einen sozialen, aber auch politischen Abgrund. Was noch vor kurzer Zeit undenkbar gewesen wäre, gehört heute fast schon zum Alltag: Nazis marschieren immer öfter durch unseren Bezirk. Immer öfter werden wir in Gesprächen mit nationalistischen Stereotypen konfrontiert.

Mein Lebensweg soll viele ermutigen. Ich möchte zeigen, dass sich der persönliche Einsatz lohnt. Ich hatte damals die richtigen Rahmenbedingungen. Heute jedoch wird Aufstieg durch Bildung immer schwieriger, die Durchlässigkeit immer geringer. Und so will ich mich für eine Wirtschaftspolitik einsetzen, die Voraussetzungen der Art schafft, dass die Zukunft eines jeden Einzelnen nicht von der sozialen Herkunft abhängt.

Mein Ziel ist es, den Wahlkreis zurückzuerobern. Gerade hier sind die sozialpolitischen Fragestellungen besonders wichtig — viele Menschen bangen um ihre Existenz, haben Angst vor Verdrängung. Deshalb will ich den Wahlkreis mit wirtschafts- und sozialpolitischer Kompetenz im Deutschen Bundestag vertreten, will ich eintreten für eine gesunde soziale Balance in Friedrichshain-Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost.

Über Ihr Interesse an meinem Weg dorthin würde ich mich sehr freuen.

Ihre Cansel Kiziltepe

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